Veranstaltungen

Termine 2018:

Veranstaltungsreihe: Salon Philosophique – gabarage upcycling
design, Schleifmühlgasse 6, 1040 Wien

Ziel des 2008 gegründeten SALON PHILOSOPHIQUE ist, durch Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen einen medizinisch-philosophischen Diskurs zu etablieren und die Zusammenhänge von Heil- und Lebenskunst zu thematisieren.
Unser Forum „ohne Schwellenangst“, welches für alle Interessierten offen ist, bietet die Gelegenheit, höchst lebhafte intellektuelle Debatten in einer ästhetisch erfüllten Salonatmosphäre zu genießen.

SALON PHILO Herbst_Winter-Termine 2018 (pdf)

14. November 2018, 19.00 Uhr
Oliver Scheibenbogen | Burnout von der Flamme zum Flächenbrand!?

Jede Epoche hat ihre Leitkrankheiten. Das bakteriologische Zeitalter, das mit der Erfindung und Verbreitung der Antibiotika endete, wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts vom neuronalen Zeitalter abgelöst. Nach Byung-Chul Han, Philosophieprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, deren Rektor Peter Sloterdijk ist, besteht bei neuronalen Erkrankungen wie dem Burnout-Syndrom die gesellschaftliche Überforderung im Abschied vom Äußeren Feind. Waren die Positionen des Eigenen und des Fremden im bakteriologischen Zeitalter klar vergeben, so ist im Falle des Burnouts das sich selbst ausbeutende Subjekt Täter und Opfer zugleich.
Kein anderer Begriff, wie jener des Burnouts, wird dermaßen instrumentalisiert. Er ist aufgrund des ihm innewohnenden Bezuges zur Arbeitswelt nicht nur Pathologie sondern auch Auszeichnung, denn nur jene Personen, die für ihre Tätigkeit „Feuer und Flamme“ sind und diese mit Begeisterung ausführen, können später auch tatsächlich ausbrennen. Neben spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen wird das Burnout-Syndrom jedoch auch durch Tätigkeitsmerkmale beeinflusst, das Resultat ist auf den ersten Blick ein amorphes Konstrukt an dem, je nach Interessenslage (Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer), in die eine oder andere Richtung gezerrt wird. Das hilft den von Burnout Betroffenen kaum, gilt es doch in der Behandlung indikationsspezifisch, theoriengeleitet und individuell, an deren Bedürfnisse angepasst vorzugehen.
Obwohl der Begriff des Burnout-Syndroms gegenwärtig sehr inflationär benutzt wird, ist die Evidenz gering, die Forschungslandschaft sehr unübersichtlich. Gängige Versuche, das Phänomen Burnout zu fassen, es zu operationalisieren und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, sind nur wenig befriedigend verlaufen, Fragebogenverfahren und andere diagnostische Instrumente erfassen zumeist nur Teilaspekte dieses komplexen Konstrukts und berücksichtigen kaum den phasenhaften Verlauf der Erkrankung. Gerade die Bestimmung des Schweregrades ist jedoch für eine effiziente Behandlung unumgänglich, impliziert dieser doch die Art der zu setzenden Interventionen, von präventiven Maßnahmen über Beratung und Coaching bis hin zu ambulanter und stationärer Behandlung bzw. Rehabilitation und als allerletzte Konsequenz auch die Pensionierung.
Waren noch vor wenigen Jahrzehnten vor allem einzelne Personen aus dem Top-Management von Burnout betroffen, so ist dieses mittlerweile im mittleren Management angekommen. Angaben zur Prävalenz des Burnout-Syndroms aus der Fachliteratur reichen daher von wenigen Prozentpunkten bis zu epidemischen Ausmaßen von knapp der Hälfte der arbeitenden österreichischen Bevölkerung.
Der Vortrag versucht, durch die Vorstellung einer eigenen repräsentativen Studie, sowie daraus abgeleiteter Betrachtungen und weiterführender Überlegungen, der derzeit hitzig geführten Diskussion rund um das Thema Burnout sowie assoziierter Themen wie beispielsweise der Arbeitszeitregelung, neue Impulse zu geben.


Termine Inhaltsangaben SALON PHILO Feb-Mai 2018 (pdf)

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